“Der Außenseiter” oder: Wie vermarktet man einen Trump?

Kaum ist er Kandidat, löst sich der “erbitterte Widerstand” des Republikanischen Establishments gegen ihn in Luft auf. War alles nur eine geschickte PR-Kampagne?

Als Donald Trump am 16. Juni 2015 ankündigte, Präsidentschaftskandidat der Republikaner werden zu wollen, hielten nicht Wenige das für nicht mehr als die neueste Eigenvermarktung des “umstrittenen” Tycoons. Manche sahen in ihm den polternden Pausenclown, der von der Farblosigkeit der anderen KandidatInnen ablenken sollte, Andere vermuteten gar, er sei von Clintons Team beauftragt worden, den Wahlkampf ihrer Konkurrenz ins Chaos zu stürzen.

Doch seine egomanische Persönlichkeit und seine rüpelhaften bis extremistischen Äußerun- gen schreckten die WählerInnen nicht ab – im Gegenteil, er erhielt immer mehr Zuspruch in den Umfragen. Weil er nicht politisch korrekte Standardphrasen absonderte, sondern “dem Volk aufs Maul schaute” – und vor allem weil er als völliger politischer Außenseiter wahrgenom- men wurde, der auch von der eigenen Partei mit äußerster Vehemenz abgelehnt wurde.

Hauptsache nicht als Vertreter der Eliten gelten

Schon bei früheren US-Wahlkämpfen war es ein großer Vorteil, in der Öffentlichkeit nicht als Vertreter des Washingtoner “Establishments” zu gelten, doch Trump trieb dies mit seiner Inszenierung als “anti-Politiker” auf die Spitze. Stets verwies er auf seine Unabhängigkeit vom “System”, und dass er seinen Vorwahlkampf selbst finanzierte, ließ das glaubwürdig erscheinen: Weil er Milliardär ist, so das Argument, sei er nicht wie Andere von Spendern und Lobbyisten abhängig und könne später auch als Präsident viel unabhängiger agieren.

Seine Erfolge in den Vorwahlen dürfte er zu wesentlichen Teilen diesem Image verdanken: Ein großer Teil der Republikanischen Basis hegt eine tiefe Abneigung gegen die Spitzen beider Parteien sowie die Machtelite in Washington insgesamt – und liebt gleichzeitig unangepasste Einzelkämpfer, die es “denen mal so richtig zeigen”. Trump ist für sie der Underdog, der einen ungleichen Kampf gegen “die da oben” führt. Umso besser, wenn er diesen dank ihrer Hilfe tatsächlich gewinnen kann!

Der “Außenseiter” wechselt die Seiten

Doch seit der talentierte Selbstdarsteller am 4. Mai dank des Ausscheidens der beiden verbliebenen Konkurrenten tatsächlich Kandidat wurde, vollzieht er einen bemerkenswerten und weitgehend geräuschlosen Kurswechsel. Sein Verhältnis zur Republikanischen Partei wandelt sich, aus offener Feindschaft wird pragmatische Kooperation. Immer mehr Parteivertreter unterstützen ihn, und die mit Spannung erwartete Unterredung mit dem Sprecher des Repräsentantenhauses Paul Ryan brachte zwar kein “endorsement”, ließ aber auch keine Anzeichen für einen anhaltenden Konflikt erkennen.

Hatte er im Vorwahlkampf noch seine Unabhängigkeit vom Parteiapparat der Republikaner (und den damit verbundenen finanziellen Ressourcen) betont, so verkündete er am 9. Mai, dass er für den Hauptwahlkampf sehr wohl auf diesen zurückgreifen würde. Auch dass er den langjährigen Goldman-Sachs-Manager Steven Mnuchin als Finanzchef seiner Kampagne aussuchte und die meisten seiner außenpolitischen Berater aus dem Militär stammen, spricht nicht unbedingt für eine “Establishment”-Ferne, ebensowenig die jüngst erfolgte Unterstützung durch die mächtige Waffenlobby NRA.

Doch seinem Image als vermeintlicher “Außenseiter” scheint das nichts mehr anhaben zu können. Die Medien haben bislang mitgespielt und ihm durch die oberflächliche Skandalisierung seiner Person die gewünschte Aufmerksamkeit verschafft, und auch jetzt spielen die inhaltlichen und personellen Widersprüche seiner Kampagne in der öffentlichen Debatte kaum eine Rolle.

War diese Dramaturgie so geplant? Auch der republikanischen Parteispitze muss klar sein, dass sie aufgrund der eigenen Unbeliebtheit mit einem “normalen” Kandidaten gegen die Demokraten chancenlos wäre. Und wenn der Neokonservative Robert Kagan heute öffentlich vor Trump warnt und zu Clinton tendiert, dürfte ihm bewusst sein, dass er Donald Trump damit weiteren Rückenwind verschafft und gleichzeitig die Debatte über dessen politische Positionen an den Rand drängt.

Reagan als Vorbild des “anti-Politikers”

Um zu erahnen, was die Menschen von einem Präsidenten Trump zu erwarten hätten, lohnt ein Blick zurück ins Jahr 1980. Auch Ronald Reagan wurde im Wahlkampf als völlig durchgedreh- ter “anti-Politiker” angesehen und belächelt – vielleicht gewann er gerade deshalb haushoch gegen Jimmy Carter. Unter seiner Präsidentschaft kam die “konservative Konterrevolution” zum Durchbruch: Seine Wirtschaftspolitik setzte auf Deregulierung, Privatisierung und die Schwächung der Gewerkschaften. Das Ergebnis war der Niedergang der US-Industrie und damit der Mittelschicht, während der Finanzsektor sich rasant vergrößerte. Außenpolitisch forcierten er und die ihn beratenden Neocons u.a. mit dem “Star Wars”-Programm den Rüstungswettlauf und initiierten zahlreiche Stellvertreterkriege; anfänglich schien er sogar tatsächlich an die Möglichkeit eines “gewinnbaren” Atomkrieges zu glauben.

Der Milliardär Trump gibt heute vor, die Interessen der breiten Bevölkerung gegen die Eliten verteidigen zu wollen – doch es gibt keinen Grund ihm zu glauben. Wenn er tatsächlich die US-Industrie wieder aufbauen will, wird der Dollar deutlich abwerten müssen. Bei kaum steigenden Löhnen würde das einen realen Kaufkraftverlust bedeuten und mithin eine weitere Zunahme der sozialen Ungleichheit. Seine Wahlkampfrethorik lässt befürchten, dass er die daraus resultierende Unzufriedenheit mit Hilfe der Medien gegen Minderheiten lenken und durch reaktionär-rassistische Innenpolitik neutralisieren würde.

Eine Maske der alten Rechten

Zwar verspricht er einen militärischen Rückzug der USA, doch will er das Land gleichzeitig wieder “great” und weltweit respektiert machen, was ebenso wie sein angekündigter Protektionismus für Konflikte sorgen dürfte. Die ihm durchaus zupass kommen könnten, lehrt doch nicht zuletzt die Amtszeit Reagans, dass aggressive Außenpolitik ein probates Mittel zur Ablenkung von internen Problemen ist. Dass er jüngst ankündigte, im Falle eines Wahlsiegs verstärkt fossile Energieträger zu fördern und sich nicht an das Pariser Klimaabkommen zu halten, lässt ebenfalls wenig Gutes erahnen.

Mit einem Wort: Trump würde die übliche republikanische Politik betreiben, vermutlich in noch einmal zugespitzter Form. Trotz seiner politikfernen Vergangenheit ist er nie ein wirklicher “Außenseiter” gewesen. Er ist vielmehr eine populäre telegene Maske, hinter der sich die altbekannten, weithin diskreditierten Strömungen der US-amerikanischen Rechten verstecken. Und: Er wäre höchstwahrscheinlich ein schwacher, leicht manipulierbarer Präsident. Und das könnte in weltpolitisch bewegten Zeiten das Gefährlichste sein.

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